Orte & Regionen
Thalassyr
HAUPTSTADT: NERETHIS
Nerethis, die sogenannte Perle der Gezeiten, gilt als eines der beeindruckendsten Bauwerke der bekannten Welt. Die Stadt liegt teilweise über und teilweise unter dem Meeresspiegel und verändert ihr Erscheinungsbild mit jeder Flut. Während der Ebbe werden ganze Straßenzüge freigelegt, nur um wenige Stunden später wieder vollständig vom Wasser verschluckt zu werden. Die Bewohner betrachten dies nicht als Problem, sondern als natürlichen Teil des Lebensrhythmus. Die Architektur wirkt organisch und fließend. Gebäude bestehen aus lebenden Korallen, perlmuttartigen Materialien und glattgeschliffenem Stein, die scheinbar direkt aus dem Meer gewachsen sind. Brücken aus Treibholz und Korallen verbinden hohe Türme miteinander, während unterirdische Wasserkanäle den Transport innerhalb der Stadt ermöglichen.
Im Herzen der Stadt befindet sich der Mondpalast, dessen Kuppeln nachts das Licht des Mondes reflektieren. Dort residiert offiziell die königliche Familie.
WEITERE ORTE
Spiegelbucht
Die Spiegelbucht gilt als einer der heiligsten Orte ganz Thalassyrs. Das Wasser dieser gewaltigen, stillen Bucht ist so klar und ruhig, dass Himmel und Meer oft vollkommen miteinander zu verschmelzen scheinen. Nachts wirken die Sterne auf der Oberfläche greifbar nah, als würden sie direkt im Wasser schweben. Viele glauben, dass die Grenze zwischen Realität, Erinnerung und Traum an diesem Ort besonders dünn ist.
Seit Jahrhunderten reisen Orakel, Priester, Astrologen und Suchende zur Spiegelbucht, um Visionen zu empfangen oder Antworten auf persönliche Fragen zu finden. Besonders während bestimmter Mondphasen versammeln sich dort Menschen an den weißen Steinküsten, um in den Reflexionen des Wassers Zeichen zu lesen. Manche sehen zukünftige Ereignisse, andere verstorbene Angehörige oder fremde Sternbilder, die am Himmel eigentlich nicht existieren dürften.
Die Bewohner Thalassyrs glauben, dass das Wasser Erinnerungen bewahren kann. Deshalb werden viele wichtige Zeremonien an der Spiegelbucht abgehalten: Krönungen, Begräbnisse, Schwüre und spirituelle Rituale. Gleichzeitig fürchten manche den Ort, denn nicht jede Vision endet harmlos. Es existieren Berichte über Menschen, die nach einer Nacht an der Bucht ihre Identität verloren, nie wieder gesprochen oder plötzlich begonnen haben, in unbekannten Sprachen zu flüstern.
Tempel der Tiefe
Tief unter den dunklen Gewässern Thalassyrs liegt der Tempel der Tiefe – ein gigantisches Heiligtum innerhalb eines uralten Meeresgrabens. Gewaltige Säulen aus schwarzem Stein tragen die riesige Struktur, während leuchtende Korallen, schimmernde Quallen und astrale Wasserpflanzen die Hallen in ein unnatürliches Licht tauchen. Der Tempel ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern zugleich Symbol für die Verbindung zwischen den Bewohnern Thalassyrs und den verborgenen Kräften des Meeres.
Dort finden die wichtigsten Zeremonien des Reiches statt. Priester sprechen Gebete an Aionis, Adelsfamilien schließen Bündnisse und Seher deuten Träume sowie Visionen aus den Tiefen. Besonders bedeutend ist die sogenannte „Nacht der stillen Gezeiten“, bei der sämtliche Lichter des Tempels gelöscht werden und nur die Sterne über der Wasseroberfläche den Meeresgraben erhellen. In dieser Nacht glauben viele, die Stimme Aionis direkt hören zu können.
Doch der Tempel birgt auch Geheimnisse. Einige der unteren Ebenen sind versiegelt und dürfen selbst von hohen Priestern nicht betreten werden. Alte Legenden berichten von uralten Wesen oder vergessenen Sternenkräften, die tief unter dem Tempel schlafen sollen. Manche Gelehrte vermuten sogar, dass der Tempel älter ist als Thalassyr selbst und auf den Ruinen einer längst untergegangenen Zivilisation errichtet wurde.
Flüsternde Sümpfe
Die Flüsternden Sümpfe gehören zu den unheimlichsten Regionen an den Grenzen Thalassyrs. Dichte Nebelschichten hängen permanent über schwarzen Wasserflächen, verdrehten Mangrovenwäldern und halb versunkenen Ruinen vergangener Zeitalter. Selbst tagsüber wirkt die Gegend dunkel und still, während nachts seltsame Geräusche zwischen den Bäumen widerhallen.
Der Name stammt von den Stimmen, die Reisende dort angeblich hören können. Manche berichten von leisen Flüstern aus dem Nebel, andere von Stimmen verstorbener Angehöriger oder längst vergessener Sprachen. Viele glauben, dass die Sümpfe eine Verbindung zur Welt der Toten oder zu verlorenen Erinnerungen besitzen. Besonders spirituelle Menschen reisen manchmal bewusst dorthin, um Antworten oder Visionen zu suchen – doch nicht jeder kehrt unverändert zurück.
Zwischen den Sümpfen liegen Ruinen alter Grenzfestungen, verlassene Schreine und überwucherte Dörfer, deren Bewohner vor Jahrhunderten verschwanden. Gleichzeitig dienen die Sümpfe Piraten, Schmugglern und Exilanten als perfektes Versteck. Die komplizierten Wasserwege und der dichte Nebel machen Verfolgungen nahezu unmöglich
Viele Kinder Thalassyrs wachsen mit Geschichten über die Flüsternden Sümpfe auf. Eltern warnen sie davor, nachts auf Stimmen aus dem Nebel zu antworten, denn der Legende nach holen die Sümpfe jene zu sich, die zu lange zuhören.
Alte Unterwasserruinen
Über die Meere und Tiefseegräben Thalassyrs verteilt liegen die Überreste einer uralten Unterwasserkultur, deren Ursprung bis heute unbekannt ist. Gewaltige Tempel, eingestürzte Paläste und versunkene Städte ruhen tief unter der Oberfläche und sind von Korallen, Algen und Dunkelheit überwachsen. Manche dieser Ruinen reichen so tief hinab, dass selbst erfahrene Wasseratmer dort nur wenige Minuten überleben können.
Gelehrte streiten seit Jahrhunderten darüber, wer diese Städte erbaut hat. Einige glauben, sie stammen aus einer frühen Epoche Astraeons, noch bevor die heutigen Reiche existierten. Andere behaupten, die Ruinen seien Überreste einer Zivilisation, die durch instabile Sternenmagie ausgelöscht wurde. Besonders beunruhigend ist, dass viele Wandreliefs Sternbilder zeigen, die am heutigen Himmel nicht mehr existieren.
Trotz der Gefahr ziehen die Ruinen ständig Schatzsucher, Historiker und Magier an. Verlorene Artefakte, alte Sternenkarten und vergessene Technologien sollen dort verborgen liegen. Manche Expeditionen kehren mit wertvollen Funden zurück – andere verschwinden spurlos in den dunklen Tiefen.
Gerüchte erzählen außerdem von Kreaturen, die zwischen den Ruinen leben sollen: Wesen ohne klare Form, die sich lautlos durch die Dunkelheit bewegen und Eindringlinge beobachten. Deshalb gelten die Alten Unterwasserruinen nicht nur als Ort verlorenen Wissens, sondern auch als eines der gefährlichsten Geheimnisse Thalassyrs.